Deutsch-Türke kauft Koch-Pac-Systeme-Werk

Deutsch-Türke kauft Koch-Pac-Systeme-Werk

Als PKM Packaging startet das seitherige Zweigwerk von Koch Pac Systeme aus Pfalzgrafenweiler unter neuem Inhaber durch: Der Mannheimer Ex-Manager Deniz Cevikalp hat den Spezialisten für Verpackungsmaschinen zum 1. Juli aus der Uhlmann-Gruppe herausgekauft. Für das kommende Jahr plant der 42-Jährige mit 46 Mitarbeitern sechs Millionen Euro Umsatz – 1,4 Millionen Euro mehr als im laufenden Vorjahr.

„Das ist die Investition meines Lebens“, sagt der neue Inhaber mit türkisch-kurdischen Wurzeln. Als Vierjähriger kam der gebürtige Istanbuler nach Mannheim, wo seine Eltern einfache Arbeiter waren. Die Bilderbuchkarriere, die als Betriebsschlosser bei BASF in Ludwigshafen begann und über acht Stationen und mehrere Fortbildungen zum technischen Betriebswirt als angestellter Manager eines österreichischen Kartonagekonzerns endete, setzt Cevikalp nun als Unternehmer fort.

Auf der Suche nach einem Engagement wurde der Kurpfälzer in Pirmasens fündig, weil hier offenbar alles passte: Die räumliche Nähe zu seinem Wohnsitz; die Branche, in der er seit 1993 im Bereich Verpackungen, Faltschachteln und Displays in unterschiedlichsten Funktionen und Umsatzgrößen – zuletzt verantwortete Cevikalp einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro international und führte 500 Mitarbeiter in fünf Werken – tätig ist, sowie schließlich der Kaufpreis, den er - mit eigenen Mitteln und Bankkrediten – zu bezahlen in der Lage sein musste.

„Ich wollte immer mein eigener Unternehmer sein, es mit Menschen zu tun haben und etwas gestalten“, begründet Cevikalp seine Leidenschaft für einen Produktionsbetrieb, der noch im Februar diesen Jahres in seinem Neubau von 2002 kurz gearbeitet hatte. Die Personalkosten liegen immerhin bei 30 Prozent, 30 Prozent macht der Einkauf und 40 Prozent die Wertschöpfung im Betrieb selbst.

Die Krise habe gezeigt, wie robust das Unternehmen sei, das bis Juni für rund zehn Jahre ein Zweigwerk der Schwarzwälder Koch Pac Systeme GmbH war, die ihrerseits seit 2004 zur Uhlmann-Gruppe gehört. Während das Hauptwerk in Pfalzgrafenweiler Maschinen zur Primärverpackung herstellt, also Produkte wie Zahnbürsten, Zündkerzen oder Batterien verpackt, liegt der Schwerpunkt der Pirmasenser auf Sekundär- und Tertiärverpackungen. Es werden also mehrere Einzelprodukte zu Gebinden zusammengefasst und mehrere Gebinde wiederum etwa in einen Karton gesetzt.

Entsprechend macht die künftige PKM – unter diesem Kürzel gründete Gustav Stabernack 1996 das Unternehmen in der Pfalz – rund die Hälfte ihres Umsatzes auch künftig mit der Ex-Schwester im Schwarzwald. Gemeinsam werden ganze Verpackungsstraßen geliefert, die mit einem hohen Automatisierungsgrad in alle Welt gehen. Doch PKM ist auch alleine wettbewerbsfähig, wie die zweite Umsatzhälfte belegt.

Vom einfachen Faltschachtelaufrichter für 60.000 Euro bis zur Komplettanlage für 1,5 und mehr Millionen Euro mit Aufrichter, Grouper, Verschließer und Palettierer reicht das Spektrum. Entsprechend liegen die Durchlaufzeiten für die Unikate aus dem mechatronischen Sondermaschinenbau bei drei bis neun Monaten. Aktuell sind die Auftragsbücher bis Februar gefüllt und monatlichen gehen auf Grund der guten Konjunktur weitere Aufträge für im Schnitt 0,5 Millionen Euro ein. Dabei hat Cevikalp mit seinen Umstrukturierungsmaßnahmen in den Bereichen mehr Vertrieb, besseres Design und effizienteres Marketing noch gar nicht begonnen.

Doch als Mann, der aus Konzernstrukturen kommt, hat er die strategischen Pfeile im Köcher und trifft auf eine hochqualifizierte Belegschaft, die sich dadurch wertgeschätzt fühlt, dass der Inhaber wieder im selben Haus sitzt. Hinzu kommen Cevikalps hervorragende internationale Kontakte, vor allem in die Türkei und die arabische Welt, wo künftig kaufkräftige Nachfrage sitzt.

Bis 2018 will der ehrgeizige Jungunternehmer, der bereits über eine Hallenerweiterung nachdenkt, um die Produktivität zu erhöhen, den Umsatz verdoppeln. Eine Maßnahme hierzu: Der technische Betriebswirt will im September 2012 gleich zehn gewerbliche Auszubildende einstellen, um das künftige Wachstum abarbeiten zu können. Aktuell bildet das Unternehmen vier gewerbliche    Lehrlinge aus. www.pkm-packaging.com